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Schönheit und Anonymität, Menschen und Räume, Nähe und Distanz- Robert-Sebastian Berger schafft in seinem Oeuvre eine Synthese aus sich scheinbar widersprechenden Begriffspaaren. Seine oft großformatigen Bilder hält der junge Kölner Künstler in einer reduzierten Farbigkeit, die jedoch an Lebendigkeit nichts vermissen lassen. Die ins Photorealistische tendierenden Motive und die gekonnt intuitive Umsetzung in pastosen Pinselstrichen, zeugen vom Wissen des Autodidakten um das eigene Können, in dem der virtuose Duktus den Betrachter schnell für sich gewinnt. Trotz der Zweifarbentechnik und der oft nur angedeuteten Silhouetten der Akt- und Porträtdarstellungen, meinen wir die wesentlichen biometrischen Daten der abgebildeten Modelle wahrnehmen zu können. So stellen wir uns gerne der Aufgabe, aus unseren Seherfahrungen und den, durch die Bilder gewonnenen Eckdaten, die menschliche Erscheinung zu rekonstruieren, um die Ästhetik des Körperlichen zu geniessen. Entsprechen diese Imaginationen auch der Realität? Sind die erzeugten Assoziationen auch die vom Künstler tendierten? Berger lässt uns im Unklaren darüber, ob wir es mit austauschbaren Motiven aus der Werbung zu tun haben, die durch Ihre spezielle Erotik den Konsumenten, respektive den Betrachter anlocken sollen, oder vielleicht doch mit einem empfindenden Individuum, dessen offenbarte Körperlichkeit aus dem spontanen Moment, Schnappschüssen nicht unähnlich, einen Ausschnittcharakter aus der menschlichen Seele freilegt. Schönheit wird relativ, ist sie doch einerseits sichtlich reproduzierbar, ganz im Sinne der Pop-Art, andererseits nur für einen Moment, ein "Bildlang" festzuhalten, in dem Moment schon am Vergehen, in dem wir Ihrer gewahr werden. Eine visuelle Falle vielleicht, oder offensichtliche Anregung aus dem Alltag, der uns überschwemmt mit Bildern und auf-oktroierten Idealen? Die ursprüngliche Idee in Bergers Werk mit monochromen Farben zu arbeiten entwickelte sich, ganz im Gegensatz zur historischen Entwicklung der Fotographie, zurück ins Schwarz-Weiße unter späterer Beimischung von Gelb und Blau, durch deren Wirkungskraft den Bildern eine Wärme und Nahbarkeit verliehen wird. Bemerkenswert ist dabei v.a. der scheinbare Rückschritt, der zu Beginn seines künstlerischen Schaffens steht: fotographisch zu malen, Realität als "Lichtbild in Öl" zu erfassen und immer weiter auf wesentliche Andeutungen zu reduzieren. In seinen neueren Werken, einer Bildserie zum 11.September, dem Projekt " Menschen 2003" und seiner aktuellen Ausstellung "Wandel" im Areal des neuen Duisburger Innenhafens stößt uns Robert-Sebastian Berger auf eine Welt, deren Erfahrbarkeit in dieser Weise sonst nur durch Rauminstallationen oder Skulpturen möglich wird. Sind wir einerseits Individuen in unserem Umraum, andererseits gespiegelte Betrachter im Gemälde- die scheinbare Anonymität der Bilder ist eine Chance zur Identifikation, ein weiterer Grund sich den Werken Bergers einen Schritt weiter zu nähern. Die persönlichen Eigenheiten und die Stärken seiner Darstellungsweise hat Berger nach langjähriger Beschäftigung mit Maltechniken immer weiter herausgearbeitet, sodass er sich diesen immer subtileren Themen und Ideen widmen konnte, die in seinem Anfangswerk bereits nach und nach zu erkennen waren. Ziel ist es dabei den Betrachter nicht nur im Sinne es gewissen Eros, einer durchaus beabsichtigten Ästhetik zu gewinnen, sondern ihm darüber hinaus einen latenten Eindruck in die, über die oberflächliche Gefälligkeit hinausgehenden Motive der Beziehung Raum-Mensch in der Körperlichkeit, und der Beziehung Zeit-Mensch in der Vergänglichkeit zu ermöglichen. Darzustellen, was nicht darzustellen ist, nämlich den Raum, das kann nur in Abgrenzung zum Objekt, respektive dem menschlichen Körper in Bergers Bildern geschehen. So setzt sich der junge Kölner gerne in die Rolle des inszenierenden Schöpfers, der sowohl durch fein akzentuierter Linienführung, als auch durch gekonnte Positionierung im Raum, den Menschen in seinen Bildern eine direkte Beziehung zu ihren Um-Räumen angedeihen lässt. Eine spannenden Aufgabe, die Berger in seiner aktuellen Ausstellung "Wandel" im Duisburger Binnenhafen im November / Dezember diesen Jahres in neuen Werken weiterführt. Mit dem Blick des Fotografen fokussiert der Maler hier Menschen in, von der Industrie überformten Stadtlandschaften, die er in einer faszinierenden Technik auf der Leinwand festhält. In der "Wandel"-Reihe kommt eine Art der gemalten Fotografie zum Einsatz, die Robert-Sebastian Berger in inversen Farben, dem Fotonegativ ähnlich, ausführt. Es entsteht der Eindruck der Entfremdung, durch die Bildillusion des photorealistischen jedoch auch eine Nähe zum Betrachter - ein spannendes Experiment mit variablen Parametern, da jeder Ausstellungsbesucher die Bilder anders wahrnehmen wird- Ausgang unbekannt.

Mathias Stolz - Köln 2004


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